„Handydaumen“: Was ist das?

Ca. 30% der jungen Handynutzer (17-25 Jahre) geben an, durch die dauerhafte Nutzung des Smartphones Schmerzen am Daumen zu haben.1

Da nahezu bei jeder Bildschirmbewegung auch der Daumen mitbewegt wird, kann es bei exzessiver Nutzung zu einer Überlastungssymptomatik mit Schmerzen, dem sogenannten „Handydaumen“, kommen.

Wichtig ist, dass der „Handydaumen“ keine eigenständige Diagnose, sondern viel mehr eine Sonderform der Sehnenscheidenentzündung darstellt.

Natürlich gibt es noch andere Ursachen, welche Schmerzen am Daumen auslösen können, z. B. eine Tendovaginitis de Quervain oder die Rhizarthrose.

Wie schon erwähnt, liegt dem „Handydaumen“ eine Überlastung zugrunde, welche durch häufig wiederkehrende Bewegungen des Daumens entsteht. Besonders ,,ungesund‘‘ für unseren Daumen ist die Abspreizbewegung, vor allem bei größeren Displays. Hinzu kommt oftmals eine schnelle Tipp- Wischbewegung.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des „Handydaumens“ spielen unsere daumennahen Sehnenscheiden. Sehnenscheiden sind schützende Hüllen, welche an Muskelsehnen Druck und Reibung reduzieren. Jedoch sind unsere Sehnenscheiden nicht auf die oben genannte monotone Art der Belastung ausgelegt und können sich infolgedessen entzünden.

Betroffene beklagen oftmals Schmerzen am Daumen, welche sich bei Belastung verstärken. Dies lässt sich allgemein bei Sehnenscheidenentzündungen beobachten.

Weitere Symptome können sein:

  • Schwellung
  • Rötung
  • Bewegungseinschränkung

Ob die Symptome tatsächlich durch die Benutzung des Handys entstehen oder durch andere manuelle Überlastungen (z. B. Haushalt oder Berufstätigkeit), kann der Arzt in der Anamnese (Befragung zum Beschwerdehergang) feststellen.

Mittels Ultraschalluntersuchung können Veränderungen an der Sehne und Sehnenscheide bildlich dargestellt werden.

Zusätzlich kann der Untersucher durch einen Provokationstest (z. B. Finkelstein- oder Eichhofftest) die Diagnose bestätigen.

Hat der Arzt die Diagnose ,,Handydaumen‘‘ gestellt, wird in der Regel eine funktionelle Entlastung des Daumen- und Handgelenks im Alltag empfohlen, beispielsweise während der Arbeit und in der Freizeit.

Unterstützend können in dieser Hinsicht Orthopädische Hilfsmittel, wie z. B. die BORT SellaXpress kurz Daumenschiene wirken. Daumenorthesen stellen den Daumen ruhig und können somit zur Entlastung und Symptomlinderung beitragen. Bei beginnender Reizsymptomatik können auch Bandagen, wie z. B. die BORT SellaFlex Sport Daumenstütze zum Einsatz kommen.

Begleitend können Ergo- und Physiotherapeuten dabei helfen, mittels gezielter Übungen Überlastungssymptome und Schmerzen zu lindern.

Das naheliegendste, was vielen aber schwerfällt, ist die Reduzierung der täglichen Handynutzung, vor allem das Tippen und Wischen.

Da man natürlich nicht komplett auf sein Smartphone verzichten kann, sollte man sich einen gelenkschonenden Umgang angewöhnen:

  • Möglichst beide Daumen beim Tippen verwenden. Dadurch reduziert sich der Bewegungsumfang des Daumens.
  • Sprachfunktion des Smartphones benutzen.
  • Displaygröße berücksichtigen: Je größer der Bildschirm, desto intensiver müssen die Daumen bewegt werden.
  • Regelmäßig Pausen einlegen.

1 Prevalence of text neck syndrome and SMS thumb among smartphone users in college-going students: a cross-sectional survey study | Journal of Public Health