Karpaltunnelsyndrom: Was ist das?

Unter dem Karpaltunnelsyndrom (KTS) – im Englischen Carpal Tunnel Syndrome (CTS) genannt – versteht man ein Engpasssyndrom im Bereich des Handgelenks. Durch diese krankhafte Kompression (Einengung) wird der Nervus medianus geschädigt.

Betroffene leiden oftmals unter Sensibilitätsstörungen (z. B. Taubheitsgefühl) und Schmerzen im Versorgungsbereich des Nervus medianus, vor allem am Zeige-, Mittelfinger und Daumen.

Das Karpaltunnelsyndrom ist weltweit das häufigste Engpasssyndrom der Hand.2

Schätzungsweise sind bis zu 5 % der Gesamtbevölkerung davon betroffen.1

Auffällig ist, dass Frauen mit ca. 70 % weitaus häufiger betroffen sind als Männer.2

Der krankhaften Kompression des Nervus medianus liegt in vielen Fällen eine Volumenzunahme (z. B. Schwellung) im Karpaltunnel am Handgelenk zu Grunde. Diese kann folgende Ursachen haben:

  • Überlastung durch wiederholte manuelle Tätigkeiten (z. B. auf der Arbeit und in der Freizeit)
  • Sehnenscheidenentzündung → Schwellung kann auf Nervus medianus drücken
  • Frakturen im Handgelenkbereich → Ödeme oder knöcherne Fehlstellungen können den Nervus medianus schädigen
  • Angeborene Verengung des Karpaltunnels
  • Rheumatische Erkrankungen (z. B. Gicht) → Entzündung kann den Nervus medianus reizen
  • Diabetes mellitus → ist oftmals mit einer generellen Nervenschädigung im Körper verbunden
  • Wiederkehrende Vibrationen auf das Handgelenk, z. B. bei Arbeiten mit vibrierenden Maschinen und Werkzeugen.

Aufgrund der Häufung bei berufstätigen Personen (Altersgipfel 40 – 60 Jahre2) wird das Karpaltunnelsyndrom auch als Berufskrankheit angesehen.

Durch die krankhafte Kompression des Nervus medianus am Handgelenk kommt es zu Ausfallerscheinungen, vor allem am Daumen, dem Zeigefinger und dem Mittelfinger (im Bild in Blau dargestellt).

Die Ausprägung der Symptomatik hängt von der Stärke und Dauer der Druckschädigung am Nervus medianus ab und manifestiert sich im Versorgungsbereich des Nervs (im Bild in blau dargestellt). Betroffen ist neben dem Handgelenk vor allem der Zeige-, Mittelfinger und Daumen. Während es anfänglich oftmals nur zu einer Reizsymptomatik kommt, können im weiteren Verlauf nervale Ausfallerscheinungen hinzukommen.

Zunächst lassen sich die Symptome oftmals nur nachts beobachten:

  • Nächtliches Einschlafen der Hände oder einzelner Finger (Daumen, Zeige- und Mittelfinger)
  • Kribbeln und Missempfinden (Sensibilitätsstörungen) im Versorgungsbereich

Die nächtliche Symptomatik entsteht durch eine unkontrollierte Handhaltung im Schlaf. Diese erhöht die Belastung auf den Karpaltunnel und Nervus medianus.

Anfänglich lassen sich die Symptome durch kontrollierte Bewegung der Hände/Finger lindern. Durch Bewegungen wird die Muskelpumpe aktiviert, welche den venösen Rücktransport unterstützt und somit den Druck im Karpaltunnelbereich senken kann.2

Bei einer fortschreitenden Erkrankung können zusätzlich folgende Symptome auftreten:

  • Andauernde, z. T. nadelstichartige Missempfindungen (auch tagsüber z. B. während der Arbeit)
  • Schmerzen im Handgelenk und der Finger, welche in den Unterarm ausstrahlen können
  • Kraftlosigkeit in den Fingern
  • Rückbildung der Daumenmuskulatur, aus welcher eine „Greifschwäche“ des Daumens resultiert

Ein genauer Verlauf kann in den meisten Fällen nicht prognostiziert werden, da individuelle Faktoren Einfluss auf die weitere Entwicklung der Symptomatik nehmen können.

Neben der Anamnese (Befragung zum Erkrankungshergang und Symptomen) spielt die körperliche Untersuchung sowie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit eine wichtige Rolle.

Bei der körperlichen Untersuchung überprüft der Untersuchende unter anderem die Oberflächensensibilität der betroffenen Extremität.

Des Weiteren können bestimmte Provokationstests, wie z. B. der Phalen-Test, bei der Diagnosefindung helfen. Dabei beugt der Patient sein Handgelenk für ca. eine Minute maximal. Dies erhöht die Belastung am Nervus medianus. Treten nun CTS-typische Symptome auf, ist das Phalen-Zeichen positiv (spricht für ein Karpaltunnelsyndrom).

Durch das Messen der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) können Nervenschädigungen bzw. eine verringerte Reizweiterleitung bestätigt werden.

Die Therapie eines Karpaltunnelsyndroms kann konservativ (Behandlung ohne Operation) oder operativ erfolgen. Ausschlaggebend sind die Stärke der Symptome und das Ausmaß der Schädigung.

Im Frühstadium wird in den meisten Fällen eine konservative Therapie vorgeschlagen. Dabei spielen orthopädische Hilfsmittel eine große Rolle. Eine Handgelenkorthese zur Immobilisierung, wie z. B. die BORT SOFT Volare CTS-Schiene, verhindert das ungewollte Abknicken des Handgelenks und entlastet somit den Karpaltunnelbereich.

Begleitend können Medikamente oder entzündungshemmende Injektionen verabreicht werden, welche Entzündungen und Schwellungen reduzieren können. Zudem kann das Kühlen des Handgelenks in der Akutphase zur Symptomlinderung beitragen.

Bei fortschreitender Erkrankung mit erheblichen Ausfallerscheinungen oder Beeinträchtigung der Muskulatur kann der Arzt eine operative Therapie in Betracht ziehen.

Dabei wird das Band, welches den Karpaltunnel bildet, gespalten oder durchtrennt. Dadurch wird der Druck am Nervus medianus reduziert, was zu einer Entlastung führt.

Da eine der Hauptursachen die Überlastung im Handgelenkbereich darstellt, sollte diese auf Dauer vermieden werden. Beispielsweise können Arbeitsplatzergonomie und Tätigkeitswechsel unser Handgelenk schonen.

Spezielle Handübungen können helfen, unsere Muskulatur zu stärken und die Durchblutung zu fördern.

Vorerkrankungen wie, z. B. Gicht oder Diabetes mellitus, sollten erkannt und therapiert werden.

 

Referenzen:

  1. Moutasem S. Aboonq. Pathophysiology of carpal tunnel syndrome. 2025. https://europepmc.org/article/MED/25630774 (zuletzt besucht am 02.07.2025)
  2. Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms. 2022. https://register.awmf.org/assets/guidelines/005-003l_S3_Diagnostik-Therapie-Karpaltunnelsyndrom-KTS_2022-04_01.pdf (zuletzt besucht am 02.07.2025)