Unsere Kniescheibe (Patella) besitzt auf ihrer Rückseite mit bis zu 1 cm eine der dicksten Knorpelschichten im menschlichen Körper. Dies ist auf die hohe mechanische Belastung der Kniescheibe zurückzuführen, insbesondere während der Bewegungen. Damit diese kontrolliert ablaufen kann, befindet sich am Oberschenkel eine V-förmige Gleitrinne (Trochlea femoralis), in welche die Patella hineinpasst und bei Bewegung entlanggleitet.
Bei einer Patellalateralisation gleitet die Patella nicht mehr zentriert in diesem Gleitlager, sondern zu weit lateral (außen), was zu einer Fehlstellung mit Beschwerden führen kann. Weil die Kniescheibe i. d. R. aber nicht komplett aus ihrem Gleitlager rutscht, spricht man oftmals auch von einer Patella-Subluxation (inkomplette Ausrenkung).
Schematische Darstellung einer Patellalateralisation bzw. -subluxation. Man kann deutlich eine Lateralisierung (außen liegend) der Kniescheibe und ein geschädigtes Gleitlager am Oberschenkel erkennen.

Damit die Kniescheibe in ihrer zentralen Position vor dem Kniegelenk bleibt, wird sie von zwei Bändern stabilisiert. Insbesondere das innere Band (Ligamentum patellofermorale mediale) ist ein wichtiger Stabilisator gegen das laterale Abweichen der Patella. Unterstützend wirkt hierbei auch die Oberschenkelmuskulatur (M. quadriceps femoris), welche an ihrem Ende in die Patella mündet. Kommt es nun zu einer Instabilität der Haltebänder oder zu einer veränderten Zugkraft der Oberschenkelmuskulatur, kann dies eine seitliche Verlagerung der Patella nach außen verursachen:
- Eine Schwäche des inneren Oberschenkelmuskels (M. vastus medialis) führt zu einemverstärkten seitlichen Zug auf die Patella, da der äußere Muskelanteil überwiegt.
- Ein verstärkter Zug bzw. Verkürzung der äußeren Oberschenkelmuskulatur (M. vastuslateralis) zieht die Kniescheibe ebenfalls nach außen.
- Eine Überdehnung des inneren Haltebandes der Kniescheibe führt zu einer vermindertenmedialen Stabilisierung und begünstigt eine Verlagerung der Patella nach außen.
Ein zu weit außen liegender Ansatzpunkt der Patellasehne führt durch den veränderten Zug zu einer vermehrten lateralen Kraft auf die Kniescheibe. Dies begünstigt ebenfalls eine Patellalateralisation.
Auch eine Patelladysplasie bzw. eine Fehlbildung der Kniescheibe oder der knöchernen Gleitrinne stellt einen Risikofaktor für eine Patellalateralisation dar.
Achsfehlstellungen der unteren Extremität, insbesondere das X‑Bein (Genu valgum), tragen zusätzlich dazu bei, dass sich eine Patellalateralisation entwickeln kann.
Auffällig ist, dass häufig Jugendliche im Wachstumsalter betroffen sind. Dies lässt sich auf einen sich noch in der Entwicklung befindenden Bandapparat sowie eine noch nicht vollständig ausgebildete Gleitrinne zurückführen.
Anfänglich treten oftmals nur leichte, oder unspezifische Symptome (z. B. Instabilität im Kniegelenk oder Schmerzsymptomatik bei Belastung) auf. Je weiter die Deformität voranschreitet, desto ausgeprägter ist i. d. R. auch das Beschwerdebild.
Das Hauptsymptom ist der Schmerz, welcher durch einen einseitig erhöhten Anpressdruck der Kniescheibe in ihrem Gleitlager am Oberschenkel ausgelöst wird (laterale Hyperpression). Diese Schmerzen treten meist während Belastungssituationen, z. B. beim Sport, auf der Arbeit oder beim Treppenlaufen (insbesondere treppab) auf.
Weitere Symptome einer Patellalateralisation sind:
- Hör- und spürbares Reiben der Kniescheibe
- Bewegungseinschränkung im Kniegelenk
- Instabilität
- Erkennbare Verschiebung/Abweichung der Patella nach außen
Der erhöhte einseitige Anpressdruck begünstigt die Entstehung von Arthrose (Knorpelschwund, Gelenkverschleiß) auf der Rückseite der Kniescheibe und am Oberschenkelgleitlager (Retropatellararthrose).
Neben der Anamnese (Befragung zum Beschwerdehergang) kann der Arzt oft schon durch Inspektion (Anschauen) und Palpation (Abtasten) des Knies feststellen, ob die Kniescheibe zur Seite hin verrutscht ist.
Mittels passiver Streck- und Beugebewegungen kann der Untersucher zudem prüfen, wie beweglich das Kniegelenk ist, ob es instabil wirkt und ob die Kniescheibe nach außen gelagert ist.
Bildgebende Verfahren (wie z. B. ein CT) können die Diagnose bestätigen.
Je nach Ausprägung der Symptomatik und Ursache kann der Arzt eine zunächst konservative (ohne Operation) oder operative Therapie vorschlagen.
Konservativ kann z. B. durch Physiotherapie einem muskulären Ungleichgewicht entgegengewirkt werden. Eine gleichmäßige Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur für eine erhöhte Stabilität im Kniegelenk.
Zudem können „Knieorthesen zur Führung der Kniescheibe“, wie z. B. die BORT Asymmetric®-Reihe, durch gezielte Zugelemente eine Korrektur der Kniescheibe nach innen (medial) bewirken. Somit wird eine anatomisch korrekte Zentrierung der Kniescheibe im Gleitlager unterstützt.
Erzielt die konservative Therapie keine Linderung, kann der behandelnde Arzt eine operative Therapie vorschlagen. Ziel ist es, durch Straffung und Rekonstruktion von Bändern oder Knochenansätzen die Stabilität im Gleitlager der Kniescheibe wiederherzustellen.
Da die Ursache oftmals in einer Dysbalance der umliegenden Muskulatur (insbesondere des M. vastus medialis und M. vastus lateralis) liegt, sollte man schon im Jugendalter darauf achten, die Oberschenkelmuskulatur gleichmäßig zu trainieren, um einem Ungleichgewicht vorzubeugen.
Einseitige Belastung sollte vermieden werden, da dies eine Dysbalance der Muskulatur begünstigen kann.
Eine Übersicht zu passenden Übungen für das Knie finden Sie hier.