Unser Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk im Körper, welches uns befähigt, unsere Arme in fast alle Richtungen zu bewegen. Dies ermöglicht uns Alltagsbewegungen wie Greifen, Heben oder Werfen zu vollziehen.

Ein Nachteil dieses Bewegungsumfangs ist jedoch eine erhöhte Anfälligkeit für Instabilität und Verletzungen. Aus diesem Grund ist die Luxation (lat. luxare = verrenken) im Schultergelenk eine der häufigsten Verletzungen der Schulter. Dabei rutscht der Oberarmkopf aus seiner Gelenkpfanne an der Schulter, wodurch erhebliche Schmerzen und eine deutliche Bewegungseinschränkung auftreten.

Zudem findet man eine Häufung im jugendlichen Alter, oft bedingt durch die noch fehlende stabilisierende Muskulatur.

Die Luxation des Schultergelenks tritt meist infolge von Unfällen oder Stürzen auf (traumatische Schulterluxation). Je nach Unfallablauf entsteht durch spontane Krafteinwirkung in vielen Fällen eine vordere Schulterluxation. Seltener tritt eine hintere Luxation auf.¹

Begleitend können durch die schlagartige Belastung Weichteilstrukturen (z. B. Bänder, Muskeln und Gelenklippe) geschädigt werden.

Doch nicht immer muss einer Schulterluxation ein Trauma oder Unfall zugrunde liegen. In manchen Fällen entsteht eine Schulterluxation aufgrund von angeborener oder erworbener Instabilität, Schwäche oder Fehlbildungen (Dysplasien) im Schultergelenk. Diese wird auch als habituelle Schulterluxation bezeichnet.

Schematische Darstellung einer vorderen, unteren Schulterluxation. Man kann deutlich die verletzte Gelenklippe und den luxierten Oberarmkopf erkennen.

Infolge der Luxation sind starke Schmerzen und erhebliche Bewegungseinschränkungen die Hauptsymptome einer traumatischen Schulterluxation.

Aufgrund der Verschiebung des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne ist eine schmerzfreie Bewegung des Armes nicht mehr möglich. Eine Verletzung der knorpeligen Gelenklippe (Labrumläsion) und angrenzender Muskel- und Bandapparate sorgt zusätzlich für eine erhöhte Instabilität und Schmerzintensität. Auch eine knöcherne Verletzung am Oberarmkopf kann begleitend auftreten.

Bei der habituellen Schulterluxation sind Schmerzen und Instabilität meist weniger stark ausgeprägt, dafür oftmals wiederkehrend.

Neben der Anamnese (Befragung zum Erkrankungs- bzw. Unfallhergang und zu Symptomen) spielt die Inspektion und körperliche Untersuchung eine wichtige Rolle.

Optisch kann sich das sogenannte „Epauletten-Phänomen“ beobachten lassen. Dies beschreibt eine sichtbare Veränderung (Entrundung) der Schulterkontur aufgrund der Luxation.

Während der Palpation lässt sich der Oberarmkopf i. d. R. nicht mehr in der Gelenkpfanne ertasten, sondern je nach auslösendem Faktor meist davor oder seltener dahinter.

Mittels bildgebender Verfahren wie z. B. einem CT kann der Arzt die Diagnose bestätigen. Zusätzliche Verletzungen der angrenzenden Weichteile (z. B. Muskel oder Sehnen) lassen sich im MRT gut darstellen.

Zudem sollten neurologische Schädigungen ausgeschlossen werden.

Traumatische Schulterluxationen können je nach Alter, Mobilität und Verletzungsausmaß des Patienten entweder konservativ (ohne Operation) oder operativ behandelt werden.

Eine mögliche konservative Behandlungsmethode bei der vorderen Schulterluxation ist z. B. die sogenannte „Reposition nach Arlt“. Hierbei korrigiert der behandelnde Arzt durch bestimmte Zug- und Drucktechniken die Luxation im Schultergelenk. Dies findet meist unter Gabe von schmerzlindernden Medikamenten statt.

Verletzte angrenzende Weichteile (z. B. Muskeln, Sehnen oder die Gelenklippe) werden je nach Ausmaß und Aktivität des Patienten behandelt.

Neben Physiotherapie, welche Stabilität und Beweglichkeit wieder herstellen soll, kann der Arzt eine Schulterorthese zur Ruhigstellung, wie z. B. die BORT OmoBasic® nach Gilchrist oder die BORT OmoXpress, verordnen. Diese immobilisieren in der Akutphase, fördern die Heilung und unterstützen den Therapieverlauf. Der behandelnde Arzt bestimmt die Tragedauer der Orthese.

Operativ stehen die Rekonstruktion der geschädigten Band-, Knorpel- und Kapselstrukturen sowie die Reposition des Oberarmkopfes im Vordergrund.

Bei habituellen oder wiederkehrenden Luxationen ist es sinnvoll, diese zu stabilisieren, um Rezidive und eine chronische Instabilität zu vermeiden.

Da viele Schulterluxationen Resultate eines Sturzes sind, sollte auf ein geeignetes häusliches Umfeld geachtet werden, vor allem bei älteren Personen.

Bei Risikosportarten (z. B. Kontaktsport wie Rugby oder Football) sollte geeignete Schutzausrüstung zum Einsatz kommen.

Gezieltes Training der Schultermuskulatur kann dabei helfen, eine Schulterluxation vorzubeugen.

Eine Übersicht zu passenden Übungen für die Schultern finden Sie hier.

¹ Springer Medizin – Schulterluxation und Instabilitäten des Schultergelenks